Das 1×1 der Körpersprache | mit Benedikt von der RedeFabrik #03

Wir wissen schon lange, dass Kommunikation viel mehr als die gesprochene Sprache ist. Zur Kommunikation gehört unter anderem auch die nonverbale (nicht-sprachliche) Ebene. Darunter fällt Gestik, Mimik, Körperhaltung- und bewegung, Distanz, Blickverhalten, Berührungen, Geruch, Merkmale äußerer Erscheinung (z.B. Kleidung) und unsere Umgebung.

In dieser Podcastepisode habe ich Benedikt Held über Gestik, Mimik und Körpersprache interviewt und er hat einige sehr interessante Antworten formuliert. Als Betreiber der RedeFabrik, der größte deutsche YouTube-Kanal zum Thema Kommunikation, ist er mit seinem Know-How genau der Richtige für dieses Thema. Klick‘ einfach auf Play & los geht’s.



Die Wichtigkeit der nonverbalen Ebene

Unser Wunderwerk im Kopf, unser Gehirn, ist in erste Linie darauf ausgerichtet uns am Leben zu halten. Diese Funktion war zu früheren Zeiten super, denn sie gab zum Beispiel vor, wann wir gegen den Säbelzahntiger kämpfen und wann wir lieber die Flucht ergreifen sollten. Um eine potentielle Gefahr möglichst schnell einzuschätzen, gibt der Sehsinn Signale an Teile des Gehirns (Stammhirn/Reptiliengehirn) weiter die zuallerst die Gestik, Mimik und Körpersprache interpretieren. Erst in einem nächsten Schritt verbinden sich Gestik und Sprache im modalitätsunabhängigem semiotischen System (Teil des Gehirns). Sprich: Bevor der Mensch eine gut überlegte Entscheidung treffen kann und es dann eventuell schon zu spät für ihn ist, übernimmt das Gehirn einen „Vorabcheck“ und reagiert schon bevor wir darüber nachdenken konnten.

Auch wenn wir heutzutage solchen gefährlichen Situationen fast gar nicht mehr ausgesetzt sind, bleibt die Funktion des Gehirns bestehen. Somit ist die nonverbale Ebene fundamentaler Bestandteil der Face-to-face Kommunikation. Es gibt eine Studie von Albert Mehrabian, die oftmals falsch zitiert und interpretiert wird. Sie besagt, dass 55% der Kommunikation auf nonverbaler Ebene geschieht, 35% über die Stimme und nur 7% macht die verbal vermittelte Information aus. Jedoch ist diese Studie fehleranfällig und kritisch zu betrachten. In der echten Welt (nicht unter einschränkenden Laborbedingungen) ist es wohl eher der Situation geschuldet, wieviel Prozent der Kommunikation auf nonverbaler Ebene stattfinden. Manchmal sind es nur 50% und ein anderes Mal dann 100%.

Meinen Körper für mich sprechen lassen

Natürlich kann man Körpersprache auch für sich arbeiten lassen und dadurch offener, sympathischer und selbstbewusster wirken.

Hier gibt es ein paar praktische Tipps für eine offene Körpersprache.

  • Verschränkte Arme oder ein übergeschlagenes Bein als Querbalken vor dem Körper (wie es Männer gerne tun) verdecken diesen und zeigen Misstrauen. Versuche stattdessen so wenig wie möglich zu verdecken und offen zu gestikulieren.
  • Beim offenen Gestikulieren zeigen die Handflächen nach oben, um zu signalisieren, dass keine Gefahr von dir ausgeht (keine Waffe in der Hand).
  • Hektische Gestiken wirken auch eher bedrohlich. Wenn du bemerkst, dass deine Gestik zu ausladend und schnell wird, drossele dein Tempo. Du wirkst sofort kompetenter.
  • Ein aufrechter schulterbreiter Stand wirkt selbstbewusst. Merkst du, dass du in dich zusammensackst, versuche dich wie an einem inneren Faden in die Höhe zu ziehen.
  • Wenn du auf den Boden schaust, wirkst du schnell unsicher und eingeschüchtert. Ein gehobener Blick und Augenkontakt wirken interessiert und sympathisch.
  • Lächle! Lächeln ist ein universelles Zeichen für Sympathie.

Körpersprachliche Missverständnisse

Vorsicht: Keine voreiligen Schlüsse ziehen, denn eine verschlossene Körperhaltung bedeutet nicht direkt, dass die Person auch in ihrer Persönlichkeit verschlossen ist. Da wir im Alltag oft eine unbewusste Körpersprache haben, könnte es auch der Fall sein, dass eine Person die Arme vor der Brust verschränkt, weil es eine komfortable Position ist. Trotzdem solltest du darauf achten, dass du diese Haltung vermeidest, wenn du offen und sympathisch wirken möchtest. Warum?

Der sogenannte Halo-Effekt (Heiligenschein) besagt, dass Menschen von einer positive nonverbale Ebene einer Person auf weitere positive Merkmale dieser Person schließen. Heißt: Wenn ich jemanden sehe, der z.B. eine gepflegte Frisur hat, schick gekleidet ist und eine offene Körpersprache verwendet, schließe ich automatisch, dass diese Person wohl auch sozial anerkannt sein muss, beruflich erfolgreich ist und mit beiden Beinen im Leben steht. Auch das Gegenteil kann der Fall sein. Beim Horn-Effekt (Teufelshörner) schließe ich von einer eher negativ-konnotierten Körpersprache auf negative soziale Verhaltensweisen.

Solltest du dich doch einmal auf nonverbaler Ebene falsche verstanden haben, dann ist es hilfreich auf die verbale Ebene zu wechseln und die Situation anzusprechen. Somit begibst du dich in die Metakommunikation.

Körpersprache lesen lernen

Natürlich kannst du auch Körpersprache lesen lernen, indem du dir Wissen dazu aneignest (siehe Literaturempfehlungen) und übst, übst, übst. Hier gibt es drei hilfreiche Tipps, die dir den Einstieg erleichtern können:

1. Beachte den Kontext! Hat dein Gegenüber die Arme nur verschränkt, weil es gerade eventuell kalt ist?

2. Achte auf Veränderungen des Normalverhaltens! Was ist typisch für die Körpersprache der Person, die du analysierst? Und was weicht davon ab?

3. Ist die Körpersprache bewusst oder unbewusst? Im Alltag verwenden wir unsere Körpersprache meist unbewusst. Politiker oder andere Redner wenden jedoch öfter eine ganz bewusste Körpersprache an, um bestimmte Wirkungen zu erzeugen.

Zum Üben finde ich Benedikts YouTube-Kanal „Die RedeFabrik“ klasse, da er hier regelmäßig die Körpersprache einflussreicher Politiker analysiert. Überzeuge dich selbst!


Falls du noch mehr Tipps zum Thema Körpersprache brauchst, dann höre dir die passende Podcastfolge zu diesem Artikel an oder besuche Benedikt auf seinem YouTube-Kanal und seiner Website. Außerdem findest du untenstehend Literatur worauf sich dieser Artikel und die Podcastfolge bezieht.


Mehr zu Benedikt Held und der RedeFabrik:

YouTube – RedeFabrik: http://bit.ly/2cnEAe8
RedeFabrik Campus: https://redefabrik.net/campus/

Literaturempfehlungen:

Ekman, Paul: Gefühle lesen : Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Wiesbaden: Springer Berlin Heidelberg, 2016.

Molcho, Samy: Alles über Körpersprache : sich selbst und andere besser verstehen. Frankfurt am Main: Goldmann, 2006.

Navarro, Joe: Menschen lesen : Ein FBI-Agent erklärt, wie man Körpersprache entschlüsselt. München: mvg Verlag, 2010.

 

Ein Gedanke zu „Das 1×1 der Körpersprache | mit Benedikt von der RedeFabrik #03

  1. Hi Sophie,
    sehr interessanter, kurzweilig und lehrreicher Blog.
    Macht Spaß 🙂 ……sich bewusst zu machen wie Kommunikation funktioniert…..hilft ungemein z.B. präventive Reduktion von Konflikten.

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