Wie, wann, warum und mit wem? | Kommunikation über WhatsApp, Skype & Social Media #04

Manchmal kann das Texten über Messenger-Dienste, Social Media und Co. ziemlich nervenaufreibend sein. Warum wir es trotzdem tun und wann wir zu welchem Medium greifen, erfahrt ihr in dieser Podcastfolge. Diesmal ist meine Freundin und Intermedia-Kommilitonin Joana mit von der Partie. Wir bieten euch nicht nur Einblicke in unsere Erfahrungen mit computervermittelter Kommunikation, sondern untermauern das Gespräch auch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Klick‘ einfach auf Play & los geht’s!



In diesem Blog möchte ich drei essentielle Fragen aus dem Podcast beantworten und habe am Ende des Beitrages auch eine Frage an euch!

Was ist computervermittelte Kommunikation?

Computervermittelte Kommunikation (CvK) ist die Kommunikation, die einen Computer als Vermittler einer Nachricht benötigt. Sowohl Sender als auch Empfänger brauchen einen Computer zur En- und Dekodierung (Verschlüsslung) dieser Nachricht.

Wie suchen wir uns das passende Medium zur computervermittelten Kommunikation aus?

Es gibt verschiedene Ansätze und Theorien, die die Medienwahl des Menschen begründen wollen. Ich stelle euch 4 Möglichkeiten kurz und knapp vor.

1. Modell des sozialen Einflusses

Hier geht es kurz und knapp, um zwei verschiedene Faktoren bei der Medienwahl.

  1. personale Determinante: Es handelt sich um die persönliche und individuelle Nutzungserfahrung eines Mediums
  2. soziale Determinante: Es handelt sich um den Einfluss von außen (Familie, Freunde, Lehrer, Gesellschaft) auf die Wahl eines bestimmten Kommunikationsmediums. Die soziale Determinante ist meistens stärker ausgeprägt als die personale Determinante!

2. Mood-Management-Theorie (Erregungstheorie)

Der Mensch sucht (unbewusst) nach einem optimalen Niveau der internen Aktivierung und Erregung. Daher können Medien auch zur Stimmungsregulation eingesetzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass sich die menschliche Stimmung an die durch das Medium vermittelte Stimmung anpasst.

Kritik: Spielt der soziale Kontext (Freunde, Familie, Arbeit etc.) gar keine Rolle bei der Medienwahl? Warum schauen Leute sich traurige Filme an? (Mögliche Antworten: Theorie des sozialen Vergleichs/ Sad Film Paradoxon)

3. Media-Richness-Modell (Daft & Lengel, 1984)

Das Media-Richness-Modell geht davon aus, dass jede Medienwahl eine wohlüberlegte, rationale Entscheidung ist. (Das widerspricht natürlich der Mood-Management-Theorie.) Es kommt in erster Linie auf die Passung von kommunikativer Aufgabe und Medium an. Für bestimmte Aufgaben braucht man bestimmte Medien mit gewissen Funktionalitäten. Diese Informationsreichhaltigkeit eines Mediums wird in vier Dingen gemessen.

  1. Unmittelbarkeit des Feedbacks
  2. Bedeutung von sozialen Hinweisreizen (Gestik, Mimik, Aussehen etc.) für die Übermittlung einer Nachricht
  3. Reichhaltigkeit und Symbolhaftigkeit der Sprache
  4. Darstellung persönlicher Informationen

Demnach ist die Face-to-face Kommunikation sehr sehr reichhaltig und eine E-Mail nicht unbedingt reichhaltig, sogar noch weniger als ein handgeschriebener Brief. Achtung: Das bedeutet jedoch nicht, dass in jedem Fall das reichhaltigste Medium zum Einsatz kommen sollte, sondern das Medium, welches am besten zur Aufgabe passt!

4. Nutzen-Belohnungsansatz /Uses-and-Gratifications-Ansatz (Blumer & Katz, 1974)

Der Nutzen-Belohnungsansatz geht davon aus, dass Menschen explizit benennbare Bedürfnisse und Erwartungen haben, diese sie durch die richtige Medienwahl befriedigt wissen wollen. Dazu unterscheidete McQuail, 1994 vier verschiedene Grundbedürfnisse.

  1. Informationsbedürfnis (Neugierde befriedigen, Rat suchen oder Wissen aneignen)
  2. Bedürfnis nach persönlicher Identität (Selbstfindung, persönliche Bestätigung, Vorbildsuche)
  3. Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion (Zugehörigkeitsgefühl, Ausleben bestimmter sozialer Rollen etc.)
  4. Unterhaltungsbedürfnis (Flucht aus dem Alltag, emotionale Entlastung, Langeweile)

In der Theorie gibt es einen Unterschied zwischen dem, wonach man gesucht hat (gesuchter Grafikation) und dem, was man bekommen hat (erhaltener Grafikation). Um meist das zu erhalten, was auch das Bedürfnis befriedigt, braucht der Mensch Medienkompetenz. Werden die Bedürfnisse den Erwartungen entsprechend befriedigt, besteht eine große Chance, dass die Person zukünftig diesselbe Medienwahl für ein ähnliches Bedürfnis trifft.

Kritik: Können Menschen ihre Bedürfnisse immer benennen? Was ist, wenn jemand gar keinen Zugriffsmöglichkeiten auf bestimmte Medien hat? Verstehen wir Medium hier als den Fernseher, das unterschiedliche Fernsehprogramm oder ein Genre?

Welche Kritik kann an computervermittelter Kommunikation geübt werden?

Kritik gibt es ja eigentlich immer. Ich habe mal ein paar Punkte zusammengefasst, die die Destruktionshypothese behauptet.

  1. Kanalreduktionsannahme: Durch Kommunizieren über Computer werden nicht mehr alle unsere Sinne angesprochen, was eine Verarmung unserer Sinne und der sozialen Kommunikation zur Folge hat.
  2. Filterannahme: Durch das Fehlen von sozialen Hinweisreizen (Gestik, Mimik, Aussehen etc.) können Fehlinterpretationen von Mitteilungen gemacht werden.
  3. Anonymität: Anonymität reduziert die Selbstaufmerksamkeit und steigert enthemmtes und antisoziales Verhalten. Dies hat eine Deindividuation zur Folge. Deindividuation bedeutet, dass das Individuum sich an Normen, Werten und Umgangsformen einer Gruppe identifiziert.

Kritik an der Kritik: Fehlende nonverbale Kommunikation kann auch positiv gewertet werden. Zum Beispiel bleiben Statusunterschiede unerkannt, was zu einer stärkeren Demokratisierung beitragen kann. Die Destruktionshypothese vergisst, dass der Mensch eine emotionale und kognitive Eigenbeteiligung mitbringt, wodurch die kritisierenden Annahmen generell entkräftigt werden können.

Wie versteht ihr dieses Emoji?

Schreibt’s mir in die Kommentare!


Literaturempfehlungen:

Mangold, R., Vorderer, P. & Bente, G. (2004). Lehrbuch der Medienpsychologie. Göttingen: Hogrefe.

Batinic, B. & Appel, M. (2008). Medienpsychologie. Heidelberg: Springer Verlag

Döring, N.: Sozialpsychologie des Internet : die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen: Hogrefe, Verlag für Psychologie, 2003.

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