Was ist Kommunikation? #01

Ja, was ist Kommunikation eigentlich? Ich versuche mich dem Thema Kommunikation in der aktuellen Podcastfolge zu nähern und ziehe dazu auch die ein oder andere Theorie in Betracht. Wie im letzten Beitrag schon erwähnt ist eine Theorie nichts anderes als ein Plan. Ein Plan dafür, wie bestimmte Dinge in der Praxis ablaufen. Damit Kommunikation ganzheitlich gelingt, muss man verstehen, was dahintersteckt. Klicke auf Play und los geht’s!



Das Organon-Modell (Karl Bühler, 1934)

Karl Bühler sieht menschliche Kommunikation als soziale Interaktion, wobei die Sprache als Werkzeug dient. Das sprachliche Zeichen steht im Mittelpunkt und kann jede sinnlich wahrnehmbare Erscheinung sein, der eine Bedeutung zugeschrieben werden kann (Satz, Gestik, Mimik…). Diese Bedeutungen werden natürlich nicht von allen Menschen geteilt und können zudem oft mehrdeutig sein. Das sprachliche Zeichen kann drei Funktionen haben:

1. eine Ausdrucksfunktion (Was gibt der Sender über sich selbst preis? Welche Emotionen, Meinungen, Werte und Normen hat der Sender?)

2. eine Darstellungsfunktion (Was ist gerade Sache? In welcher Situation befinden Sender und Empfänger sich?)

3. eine Appellfunktion (Was will der Sender beim Empfänger auslösen? Wozu will er ihn auffordern?)

Beispiel:

Die Mutter kommt ins Kinderzimmer und sagt zum Kind: „Bor, hier sieht es aus als wäre eine Bombe eingeschlagen.“

Bühler, Karl (1934) Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Stuttgart u. New York: Fischer

Die Nachricht der Mutter hat drei verschiedene Funktionen, wobei meist eine Funktion dominant ist. Über sich selber gibt dir Mutter preis, dass sie keine Unordnung mag (Ausdruck). Über den Sachverhalt urteilt die Mutter folgendermaßen: „Das Kinderzimmer ist unordentlich.“ (Darstellung). Und in der Appellfunktion fordert sie das Kind auf das Kinderzimmer aufzuräumen.

Je nachdem welches Funktion das sprachliche Zeichen annimmt, wird es zum Symptom, Symbol oder Signal (siehe Abbildung).

Das Schallphänomen (Kreis) ist das eigentlich Gesagte. Jedoch kann das Kind (Empfänger) für sich bestimmen, was für ihn nicht von Bedeutung ist und quasi wegkürzen (Prinzip der abstrakten Relevanz) oder Bedeutungsrelevantes ergänzen (apperzeptive Ergänzung).


Systemisch-interaktionaler Ansatz (Watzlawick, Beavin & Jackson, 1967)

Der systemisch-interaktionale Ansatz geht davon aus, dass eine Störung in einem System durch einen Symptomträger zum Vorschein kommen kann. In dem Beispiel der Podcastfolge gibt es eine Familie (System) in der der Sohn (Symptomträger) Drogen konsumiert (Störung). Das Problem liegt also nicht beim Jungen alleine, sondern im System der Familie. Durch das Verhalten des Jungen wird diese Störung lediglich zu Tage befördert.

Um Kommunikationshürden praktisch aus dem Weg zu räumen, wurden fünf Grundregeln der Kommunikation entwickelt – die 5 Axiome.

1. Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.

Meint: Du sendest auch Signale auf nicht-sprachlicher Ebene, wenn du z.B. im Bus sitzt und Kopfhörer in den Ohren hast, kann dies bedeuten, dass du kein Interesse an einer Unterhaltung mit deinem Sitznachbarn hast.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt.

Meint: Es gibt keine rein informative Kommunikation, denn es spielt immer ein Beziehungsaspekt mit. Dieser Beziehungsaspekt kann verdeutlichen, was die Gesprächspartner voneinander halten und wie sie zueinanderstehen. Dadurch wird eine Aussage geformt und im Gespräch mit verschiedenen Personen unterschiedlich gewertet.

3. Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.

Meint: Eine Kommunikation beruht auf dem Ursache-Wirkungs-Prinzip und verläuft kreisförmig. Auf einen Reiz folgt eine Reaktion. Auf diese Reaktion wird wieder reagiert, sodass es kein Ende gibt (Teufelskreis).

4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Analog meint: Der Mensch spricht in Bildern und Zeichen (Gestik, Mimik, Körpersprache).

Digital meint: Der Mensch spricht mithilfe komplexer Sprache (Schrift und Sprache).

5. Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht.

Symmetrisch meint: Die Kommunikationspartner sind auf Augenhöhe und in keinem Machtgefälle eingeordnet (z.B. Freunde).

Komplementär meint: Es gibt eine Hierachie (Machtgefälle) zwischen den Kommunizierenden (z.B. Lehrer & Schüler).


4 Seiten/4 Ohren-Modell (Schulz von Thun, 1981)

Friedemann Schulz von Thun hat die beiden obenstehenden Modelle miteinander verknüpft und ein all-in-one Paket erstellt – das 4-Seiten-Modell.

Schulz von Thun, F.: Das Kommunikationsquadrat. 1981. URL: https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat.

Schulz von Thuns Kommunikationsmodell erklärt, dass jede Nachricht 4 gleichzeitige Botschaften beinhaltet.

Selbstkundgabe: Was gibt der Sender über sich selber Preis? Wie fühlt er sich?

Sachinhalt: Was sagt die Nachricht über die Situation, einen Gesprächsgegenstand aus? Worüber soll informiert werden?

Beziehungshinweis: Wie stehen Sender und Empfänger zueinander? Was halten sie voneinander?

Appell: Wozu möchte der Sender den Empfänger veranlassen? Welche Aufforderung steckt in einer Aussage?

Auch wenn jede Nachricht immer alle Ebenen mit einschließt, wird meistens eine Ebene stärker fokussiert. Ebenso kann der Empfänger mit seinen 4 Ohren die ankommende Botschaft interpretieren, wobei oftmals ein Ohr besonders gespitzt ist. Eigentlich kein Problem, solange die beiden Kommunikationspartner diesselbe Ebene fokussieren. Ist dies nicht der Fall, kommt es sehr schnell zu Missverständnisse.

Beispiel:

Die Frau sitzt im Auto am Steuer. Der Mann daneben als Beifahrer sagt: „Die Ampel ist grün.“ Die Frau entgegnet: „Fährst du oder fahre ich?“

 

In diesem Fall kann es sein, dass der Mann die Selbstkundgabe-Seite fokussierte und lediglich sagen wollte, dass er es eilig hat. Die Frau aber hat ihr Beziehungsohr gespitzt und interpretiert die Nachricht in etwa so: „Ich finde, du bist keine sonderlich gute Autofahrerin.“

Schwupsdiwups gibt es eine Auseinandersetzung, die die Beiden auch hätten vermeiden können. Wie das denn? Ganz einfach, indem sie die Kommunikationsebene wechseln und mithilfe der Metakommunikation über ihr Kommunikationsverhalten sprechen.

Metakommunikation wirkt manchmal Wunder!

Für mehr Beispiele, Lösungswege und Input, höre dir die dazugehörige Podcastfolge an und abonniere den Podcast Kommunikationscode!


Literaturempfehlungen:

Bühler, Karl (1934) Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Stuttgart u. New York: Fischer

Griffin, R. (2009). A First Look at Communication Theory (7th Edition). Boston: McGraw-Hill.

Thun, Friedemann Schulz von: Miteinander reden 1 : Störungen und Klärungen: Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag GmbH, 2013.

Toschka, Maike: Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick : Axiome. München: GRIN Verlag, 2009.

 

 

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